Über Pferde und Archeopteryx

Lederhut nach Indiana-Jones-Vorbild, sonnengebräunte Haut, Aviator-Sonnenbrille der 80er und eine “Raptoren” Klaue in der Hemdentasche – jeder kennt ihn, Dr. Grant von Jurassic Park.

Nun, gehört der Film von 1993 auch dem Genre des Science Fiction an, seine Hauptperson tut es nicht. Auch wenn dies sicherlich viele nicht wissen, aber Dr. Grant hat (übrigens und interessanterweise ebenso wie Indianer Jones) ein real-paläontologisches Pendant. In Dr. Grants Fall ist dies ein gewisser John “Jack” Horner, Paläontologe an der Montana State University und des Museum of the Rockies.

Ich hatte das Glück, dieser sehr medienwirksamen Variation eines Paläontologen zu begegnen – und zwar auf der diesjährigen, 71. Jahrestagung der Society of Vertebrate Paleontology (SVP). In Las Vegas. Wer schon einmal in dieser surrealen Stadt war, weiß, das Vegas sicherlich nicht der beste Ort für eine seriöse Konferenz ist. Allerdings war es der perfekte Ort für einen Jack Horner. Ihm war die Aufgabe zuteil, die diesjährige Willkommensrede zu halten. Dass er die Aufmerksamkeit liebt, hat man spätestens nach seiner dritten Erwähnung darüber, wie er versuchen will, sowohl ein wissenschaftliches als auch ein Laien-Publikum anzusprechen, gemerkt und auch verinnerlicht. So steht er nun lässig da, von großer Statur und kräftiger Stimme und redet anekdotenlastig über Evolution.

Seine Rede brachte nicht viel Neues. Es war eine gute Zusammenfassung darüber, wie der “fossil record” Belege für Evolution liefert. Was viele der Anwesenden wunderte, war dass eigentlich überhaupt keine Laien im Publikum anwesend waren (und das auch nicht erwartet warden konnte). Wie viele Laien zahlen eine dreistellige Summe, um an einer Vertebraten-Paläontologie Versammlung teilzunehmen!? So konnte man wenigstens mit seinem Blick herumschweifen, und leise genießen, wie sich die Größen der Wirbeltierpaläontologie anhören mussten, dass man Dinosaurier nur in mesozoischen Gesteinen findet.

Horner betonte in seiner Rede den Wert der Evolution als Theorie. In der Wissenschaft kann nichts bewiesen werden. Daher bleiben auch die best-getesteten Theorien immer Theorien (auch wenn manche Theorien den Rang eines Gesetzes erlangen). Bei der Evolutions-Theorie ist man sich etwa einig, dass Evolution passiert. Der Mechanismus ist zum Teil noch rätselhaft, auch wenn Darwin mit seiner natürlichen und sexuellen Selektion eine testbare und bisher allgemein gültige Möglichkeit präsentiert hat.

Evolution zu widerlegen, ist auch ganz einfach: “Ein einziges fossiles Pferd in den Kalkbrüchen Solnhofens würde unsere Evolutionstheorie zerstören!”, ruft Horner in den Saal. Nach einer rhetorischen Pause fügt er hinzu: “Und ich ermutige alle Kreationisten, in Solnhofen nach Pferden zu suchen – denn wir brauchen mehr Archeopteryx’!”

Natürlich kann es Horner nicht lassen, zum Ende seiner Rede von seinem Projekt zu reden, und wie des den (ersehnten!) vierten Jurassic Park Film beinflusst, den er abermals wissenschaftlich betreut. Sein Projekt ist es auch, das Realität des Paläontologen Jack Horner und Fiktion des Dr. Grant verschmelzen lassen: Horner reaktiviert evolutionär ausgeschaltete, aber nicht verlorene Gen-Sequenzen in Vögeln, den dirketen Nachfahren der in Jurassic Park so gefürchteten “Raptoren”. Ergebnis soll ein “chickenosaurus” sein – ein Huhn mit Schwanz, klauenbewährten Armen und Zähnen. Ob das in Dr. Grants Sinne ist, sei dahin gestellt. Wissenschaftlich können wir uns jedenfalls auf spannende Zeiten mit Jack Horner einstellen.

 

Serjoscha

 

Articles on chickenosaurus:

http://articles.cnn.com/2011-06-12/opinion/horner.dinosaur.chicken_1_mary-schweitzer-pet-dinosaur-dinosaur-project?_s=PM:OPINION

 

http://www.wired.com/magazine/2011/09/ff_chickensaurus/

 

Museum of the Rockies:

http://www.museumoftherockies.org/Home.aspx

 

 

 

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