Digital Geography

19. März 2014

Live-Bericht von der FOSSGIS 2014 Konferenz

Vom 19.-21. März findet in Berlin die FOSSGIS Konferenz an der Beuth Hochschule für Technik statt. Die FOSSGIS ist die größte deutschsprachige Konferenz rund um Freie und Open Source Software im GIS Bereich. Ich werde für euch live berichten und in diesem Post Updates, News und Infos zu aktuellen Projekten, Entwicklungen und Talks geben. Wer sich für bestimmte Themen interessiert, kann gerne in den Kommentaren Bescheid sagen und ich werde versuchen, darauf einzugehen. Weitere Infos zur Konferenz und zum Programm gibt es unter http://www.fossgis.de/konferenz/2014/ . Später wird es dort auch Aufzeichnungen und Folien von den Vorträgen geben.

Keynote „Quo vadis Open Source“

Benjamin Ducke geht in seiner Keynote auf aktuelle Entwicklungen und potentielle Probleme von open source GIS Software im kommerziellen Bereich ein. Das ist insofern ein interessantes Thema, weil Open Source Software im Geobereich momentan einen Boom erlebt und eine steigende Verbreitung erfährt. Als gutes Beispiel kann dabei QGis genannt werden, das zunehmend auch in Firmen und öffentlichen Verwaltungen eingesetzt wird.

Worauf Benjamin Ducke jedoch den Blick der Zuhörer lenken will, ist die Schnittstelle zu kommerzieller und proprietärer (nicht offener) Software. Als Beispiel nennt er die Unterstützung proprietärer Formate in open source GIS Software, also zum Beispiel ESRI Shapefiles in OGR oder QGIS. Mit der Adaption, so Ducke, begibt sich die open source Software Welt in die Abhängigkeit von Firmen, deren Interesse nicht die Zusammenarbeit mit der open source Community ist. Insgesamt handelt es sich dabei um einen kontroversen Aspekt in der open source Software, die in der Community immer wieder thematisiert wird und werden sollte.

Keynote „OSM in Jerusalem“

Die Keynote von Christian Bittner, Sozialgeograph an der Universität Erlangen mit Schwerpunkt auf GIS, berichtet aus seiner Forschung zum Themenfeld OSM in der Sozialgeographie und der politische Dimension von Web2.0 Kartographie. Er hat mit Hilfe von OSM Daten soziodemographische Strukturen in Jerusalem untersucht und kann dabei spannendes berichten. Im Kern seiner Forschung und seines Talks geht es auch um eine kritisch sozialwissenschaftliche Perspektiven auf GIS und Geodaten sowie kollaborative Kartographie und Datenerhebung. In den 1980er Jahren hat nämlich die kritische Kartographie angefangen, Karten nicht mehr als Abbild der Realität, sondern als Abbilder gesellschaftlicher Strukturen und Faktoren zu sehen. Als Beispiel dient zum Beispiel die zum Teil fehlende Signatur für Moscheen in deutschen topographischen amtlichen Kartenwerken, die Christian Bittner nicht anprangert, sondern im Kontext einer sich schnell verändernden Welt, denen die „klassische“ Kartographie nicht immer folgen kann. Das OpenStreetMap Projekt als Beispiel von volunteered geographic information betrachtet er dabei als folgerichtige, aber allein nicht hinreichende Entwicklung, die Defizite der klassischen Kartographie aufzulösen. Am Beispiel OSM in Jerusalem zeigt er, dass auch in dieser demokratisierten GeoWeb2.0-NeoKartographie-Welt alles von den soziodemographischen Rahmenbedingungen abhängt. So zeigen die OSM Daten teilweise starke qualitative und quantitative Unterschiede in Jüdisch-Orthodoxen, Jüsdisch-Säkulären und Arabischen Wohngebieten.  Die Relevanz seiner Forschungen sieht er dabei darin, dass diese soziodemographisch gefärbten Daten auch einen realen Einfluss haben, indem zum Beispiel fehlende POI-Daten in OSM in arabischen und jüdisch-orthodoxen Gebieten dazu führen, dass Touristen nur in säkularen Gebieten der Stadt geroutet werden.