Digital Geography

28. Januar 2012

Moderne Kartographie für das Web: TileMill

Wer schon mal versucht hat, aus digitalen geographischen Daten schöne Karten zu produzieren, die man einem größeren Publikum zugänglich machen will, steht vor der Frage, welches Programm er dafür nutzt. In Zeiten von modernen GIS-Programmen muss dafür oft der Layout-Modus von Arc-GIS oder QuantumGIS (QGIS) herhalten. Dies geht jedoch mit vielen Nachteilen einher. So sind die großen GIS-Programme oft nur „nebenbei“ für die Kartenproduktion gedacht. Deren Haupt-Aufgabe ist und bleibt meiner Meinung nach die Analyse von Daten. Die Layout-Funktion betrachte ich vielmehr als eine Art Draft-Modus, um mal eben schnell unter Kollegen den Stand der Datenaufbereitung darzustellen oder Feld-Karten zu erstellen.

Viele Karten haben aber auch einen wesentlich höheren Informationsgehalt, als sich auf einem Blatt Papier unterbringen lässt. Daher macht es heutzutage eher Sinn, Karten im Internet zur Verfügung zu stellen. Nun lässt sich eben dies inzwischen durch eine Vielzahl verschiedener Kartenserver bewerkstelligen, die man ja auch aus GIS-Programmen heraus ansteuern kann, aber wer kann schon einen eigenen Server sein Eigen nennen, mit dem er mal eben schnell eine interaktive Karte veröffentlichen kann?

Vor kurzem bin ich zufälligerweise über die Seite kartenwerkstatt.at gestolpert und habe mich an dem wunderschönen Minimalismus der Seite und der Professionalität der Karten erfreut. Dabei bin ich dann auch auf das Programm aufmerksam geworden, mit dem diese Karten erstellt wurden: TileMill!

TileMill ist ein hochmodernes Kartographie-Tool, mit dem man aus seinen digitalen geographischen Daten hochwertige Karten für das Web erzeugen und direkt hosten lassen kann. Das Ganze ist open-source Software und für Jedermann frei verfügbar. Es wird von der US-Firma DevelopmentSeed entwickelt und auch bei deren eigener Arbeit eingesetzt. Doch TileMill ist nur ein Bestandteil des Ganzen. Die Karten, die man mit TileMill erstellt, kann man direkt aus dem Programm heraus in das selbst entwickelte .mbtiles-Format exportieren und zum eigenen Hosting-Dienst Mapbox.com hochladen, wo sie jedem zugänglich gemacht werden kann. Der Name erinnert stark an den beliebten Cloud-Dienst Dropbox.com, und tatsächlich ist Mapbox so etwas wie das Pendant dazu als Kartenserver. Man kann dabei jede Karte bis zu 7 Tage kostenlos auf dem Server hosten, danach wird sie gelöscht, oder man besorgt sich einen Account. Natürlich kann man die Karten aber auch als Grafiken exportieren und dann ausdrucken oder als Bild im Internet veröffentlichen.

Als Datenquelle für TileMill könnt ihr  die gebräuchlichen Formate eures GIS-Systems benutzen, dazu zählen Shapefiles ebenso wie geoTiff-Raster und PostGIS-Datenbank-Layer. Bevorzugtes Referenzsystem ist Web-Mercator. Kostenfreie Testdaten benötigt? Schaut mal auf NaturalEarth.com.

Ich habe mir das Programm mal genau angesehen und wollte für euch eigentlich ein kleines Tutorial zur Installation und Benutzung schreiben.  Allerdings hat sich das Programm in der kurzen Zeit so schnell weiterentwickelt, dass ich sagen muss, ein Tutorial ist überflüssig. Alles was ich euch empfehlen kann, ist auf

http://mapbox.com/tilemill/

zu gehen und euch das Programm für euer Betriebssystem (Win/Mac/Linux) herunterzuladen, den Anweisungen zu folgen und die sehr ausgereifte Hilfe anzunehmen, die das Programm inzwischen bietet. (Inzwischen haben wir doch ein Start-Tutorial geschrieben.)

Und noch etwas: Lasst euch nicht davon abschrecken, dass man den Stil seiner Karten nicht mit vielen Klicks zusammenbaut, sondern man stattdessen in einem eingebauten Editor CSS-ähnliche Syntax schreibt. Keine Angst, es ist alles wunderbar erklärt! Und wenn ihr mal nicht weiter wisst, schaut euch eine der eingebauten Vorlagen an und kupfert einfach ab. Copy und Paste sind erlaubt!


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