Digital Geography

16. September 2015

Geo-Business und soziale Medien: Blogs, Twitter und Facebook

Dieses Jahr besuchte ich die Intergeo 2015 nicht ohne Anlass. Ich war am Stand der Kommission für Geoinformationswirtschaft zu einem Interview geladen. Das Zusammenspiel von Geo-Business und soziale Medien sollte näher beleuchtet werden. Gerne trage ich hier meine Thesen vor

Sprich über deine Taten

Die deutsche (Geo-)Wirtschaftslandschaft ist reich an smarten Firmen, Ideen, Konzepten und an großartigen Produkten. Gleichwohl ist Deutschland als Land des Mittelstands „tituliert“. Wenn wir diese beiden Punkte im Kontext einem europäischen Wirtschaftskontext und zusätzlich mit Blick auf die globalisierten Märkte von Produkten UND Ideen betrachten, haben wir ein Spannungsfeld: gute Ideen müssen bekannt werden, damit die damit verbundenen Lösungen auch verkauft werden können, gleichwohl ist der Mittelstand im Zweifel nicht so internetaffin. Und eine Bekanntheit erreicht man nur, wenn entweder die Konsumenten/Nutzer über das Produkt sprechen/berichten oder der Produzent. Was liegt also näher als die sozialen Medien frühstmöglich zu nutzen um seine Ideen/Produkte vorzustellen, diskutieren zu lassen und somit einer externen Bewertung zu unterziehen? Wer nicht auffällt wird nicht bewertet! Dank der deutschen Geodateninfrastruktur, unserem hohen Bildungsniveau und den hervorragenden Ideen im Bereich Geodaten haben viele Firmen eine ausgezeichnete Grundlage um breitbeinig in sozialen Medien aufzutreten.

Social Media != Soziale Medien

Wenn es darum geht, mit dem potentiellen Kunden/Nutzer eines Produkts in Kontakt zu treten, muss der Weg weg von sozialen Medien hin zu „social media“ gehen. Hierbei meine ich den Wechsel von einer deutschen Kommunikationskultur zu einer internationalen/englischsprachigen Kommunikation. Nehmen wir das Unternehmen Blackbridge mit Sitz in Berlin: Ein Unternehmen mit internationalen Mitarbeitern und Kundenstamm. Wenn Sie hier Kooperationen sehen und „gefunden“ werden wollen, findet Sie der tadschikische Pythonentwickler genausowenig wie ein spanischer DataViz-Spezialist, ausser derjenige kommt auf die „wahnwitzige“ Idee nach den deutschen Pendant zu „create webmap python json“ zu googeln: „erstelle internetkarte python json“…

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Die Kommunikation und die Präsentation in Englisch ist zwingend und erzeugt somit auch die Leads die man benötigt um sein Produkt zu verkaufen.

Sales, Werbung und Social Media

Social Media ist vielmehr als nur eine Werbealternative. Es ist die Möglichkeit sich zu präsentieren und zu behaupten, Lob/ Kritik zu ernten, wertvollen Input für die Produktentwicklung zu bekommen und auch agil auf Entwicklungen des Marktes zu reagieren. Die Bewegung im Bereich Social Media ist dabei nicht unidirektional. Der Input und die Reaktionen die man erfährt, sollten aufgenommen und auch darauf reagiert werden. Wo sonst bekommt man Input zu seiner neuesten Idee im Bereich der Datenvisualisierung, innovativer ETL Prozesse, spannenden und performanten Geodatenanalysewerkzeuge als bei der (internationalen!) Community, die in der Zukunft Ihr Produkt kaufen oder nutzen soll. Diesen wertvollen Input muss man einfordern (Siehe Sprich über deine Taten“) und auch in die agile Entwicklung des Produkts einbringen. Die „time-to-market“ Zeiten müssen heutzutage kurz sein. Vor allem Klein- und Mittelstandsbetriebe (KMU) können diesen agilen Ansatz schneller assimilieren als große Unternehmen: Ihre Mitbewerber aus Portugal, England und Südkorea warten nicht auf Sie!

Unterschätzen Sie die Jugend nicht

Was ich auf der Messe gesehen habe: Es ist eine Messe für das Fachpublikum: Für den Einkäufer, für den Sales-Verantwortlichen, für den Produktverantwortlichen. Solche Veranstaltungen sind wichtig und richtig. Aber vergessen Sie die Jugend nicht! Viele tolle Ideen und Produkte werden nur mangelhaft in studentischen Kreisen kommuniziert. Geoinformatikstudenten von heute wachsen mit ArcGIS und Matlab auf und nutzen im Zweifel die Produkte von Leica und Garmin zur Aquirierung von Daten (AchtunG! Übertreibung!). Diese Studentinnen und Studenten sind Ihre Produktentwickler, Analysten, Sales-Verantwortlichen von Morgen! Wieso nicht also bereits frühzeitig durch entsprechende Aktivitäten iun Netzwerken von Studenten und Young Professionals tätig werden? Vl. Sparen Sie am Ende einen Monat Einarbeitungszeit für Ihr Produkt (==5000€ Personalkosten), da er es bereits in einer Testversion probiert hat, nachdem er durch den Fachschaftsnewsletter, durch einen Facebook-Post in einer der zahlreichen geowissenschaftlichen Gruppen oder durch einen bezahlten Dialog auf einer Geo-Webseite bereits neugierig geworden ist.
  • Frank Broniewski

    Hallo (oder hi?), ich bin ja ein bisschen spät dran mit einem Kommentar, andererseits habe ich das Thema ja auch erst heute gefunden 😉
    Diese Sprachdiskrepanz treibt mich im Moment auch ein wenig um. Ich möchte in der nahen Zukunft mein eigenes Unternehmen gründen mit Dienstleistungen und Produkten rund um Kartografie und Geodatenverarbeitung allgemein. Ich musste leider auch feststellen, dass die Google-Treffer für bestimmte Suchbegriffe in Deutsch einfach nicht gut funktionieren, wie dein o.g. Beispiel. Ich bin immer noch unschlüssig, ob ich eine deutschsprachige Webseite haben möchte, oder doch gleich komplett auf Englisch umsattele, wie Blackbridge – oder beides? In jedem Fall stimme ich zu, dass man mehr über seine Taten sprechen sollte, nicht nur in den social medias, denn Feedback, egal in welcher Form ist unschätzbar wertvoll.